Diese Lernplattform hätte es ohne meinen Vater und ohne die Zustände in der heutigen Pflege niemals gegeben.
Ich bin Einzelkind und habe meinen Vater 22 Jahre gepflegt – nebenbei, wie man mir beim Amt so nett erklärt hat.
Nebenbei bedeutete jedes Wochenende bei meinem Vater, die Wohnung wieder auf Vordermann zu bringen, für die Woche vorzukochen und mit ihm Ausflüge zu unternehmen. Unter der Woche Arzttermine koordinieren, vorbeifahren, wenn der Fernseher verstellt war oder wenn die Nachbarn anriefen, weil nachts um 2 noch die Wohnungstür offenstand.
22 Jahre mit Urlaub vornehmlich in den Niederlanden – da ist man im Fall des Falles schnell wieder da.
Für Urlaub gibt es doch Kurzzeitpflege!
Ja, aber wenn die dann jeden Tag anrufen für jeden kleinen Pups und „Können Sie sich nicht darum kümmern, wir haben nicht genügend Personal …“, man also auch im Urlaub komplett eingespannt bleibt, dann ist das zwar die Theorie, aber nicht die Praxis.
Nachdem mein Vater nicht mehr zu Hause bleiben konnte, haben wir ein Pflegeheim gefunden – ein gutes, wie ich ausdrücklich betonen möchte. Aber auch dort ging es nicht, ohne dass ich praktisch jeden zweiten Tag aufgeschlagen bin, um Dinge zu regeln.
So, ich denke, das liefert einen Eindruck.
Habe ich erwähnt, dass ich zeitgleich auch noch 40-Stunden-Verträge hatte und in der Regel so 50 Stunden die Woche gearbeitet habe?
Offiziell hatte auch jeder meiner Arbeitgeber Verständnis für meine „familiäre Situation“. Aber irgendwann, wenn es mal wieder eine Phase gab, in der ich häufiger im Krankenhaus sein musste und das auch gerne spontan, gab es immer die Dinge, die dazu führten, dass ich doch nicht so richtig ins Team passte. Oft genug habe ich selber um Vertragsaufhebung gebeten, um mich in dieser Zeit um meinen Vater kümmern zu können.
Mit fortschreitendem eigenem Alter ein Spiel mit immer schlechteren Karten.
