Wie möchte ich selbst lernen?

Aus dem ursprünglich geplanten Kurs zum EU AI Act wurde also nach und nach eine komplette Lernplattform. Und irgendwann musste ich mir die Frage stellen, die eigentlich viel früher hätte kommen können:

Wie möchte ich selbst eigentlich lernen?

Ich habe in meinem Berufsleben schließlich genügend Pflichtschulungen absolviert. Und wenn ich ganz ehrlich bin, war das Ergebnis nicht immer nachhaltiges Wissen. Man macht den Kurs, beantwortet die Fragen und hat seine Pflicht erfüllt. Ein Jahr später beginnt das Spiel von vorne.

Besonders nachdenklich hat mich irgendwann der Brandschutz gemacht. Ich stellte fest, dass ich gefühlt seit mindestens zehn Jahren immer wieder den gleichen Kurs absolviert hatte. Feuer ist Feuer, dachte ich bis dahin. Schutzkleidung ist Schutzkleidung. Was soll sich da groß ändern?

Eine ganze Menge, wie ich bei der Entwicklung feststellen durfte.

Dann waren da die Beispiele. Ich saß in der Verwaltung. Was interessiert es mich, wie man im Lager eine Palette richtig bewegt? Natürlich muss der Mitarbeiter im Lager das wissen. Ich brauchte in meinem Arbeitsalltag aber andere Informationen.

Und dann stellte ich mir noch eine Frage, über die ich vorher tatsächlich nie besonders nachgedacht hatte: Was machen eigentlich Mitarbeiter mit solchen Schulungen, die zwar bei einem deutschen Unternehmen arbeiten, aber Deutsch nicht gut genug beherrschen, um komplizierte Schulungstexte sicher zu verstehen?

Meine eigene damalige Antwort darauf war erschreckend einfach: Wenn die hier arbeiten, dann werden sie schon genug Deutsch können. Hat sich schließlich noch keiner beschwert.

Tja.

So entstand nach und nach das Prinzip der heutigen EU AI Act Academy.

Es gibt Grundlagen, die alle benötigen. Dazu kommen Inhalte aus der eigenen Branche und schließlich Inhalte, die sich mit den tatsächlichen Anforderungen der jeweiligen Abteilung beschäftigen. Maßgeschneidert, statt von der Stange.

Und es gibt die Inhalte nicht nur auf Deutsch. Zurzeit sind es neun Sprachen. Nicht, weil neun Sprachen auf einer Liste besonders beeindruckend aussehen, sondern weil es Bereiche gibt, in denen ein Missverständnis eben nicht nur ärgerlich sein kann. Gerade bei Brandschutz und Arbeitssicherheit möchte ich nicht, dass aus „Was meinen die denn bloß damit?“ irgendwann „Ach, die meinen das wohl so …“ wird und es dann prompt falsch angewandt wird.

Deshalb ist mir auch einfache Sprache wichtig. Kompliziert ist nicht automatisch kompetent – und ein Fachbegriff wird nicht richtiger verstanden, nur weil er besonders beeindruckend klingt.