Also fing ich an zu lesen und stellte ziemlich schnell fest: Ja, diese Zahlen gibt es. Aber das Ganze ist doch ein wenig anders gelagert.
Das Thema KI interessierte mich allerdings inzwischen, und immer öfter sah ich Angebote, bei denen ich spontan dachte: Mein Gott, was für ein Driss! Das kannst Du besser.
Nun ist „Das kannst Du besser“ schnell gesagt. Ob man es tatsächlich besser kann, ist eine ganz andere Frage.
Dann sah ich irgendwann das Angebot eines großen Weiterbildungsanbieters: vier Stunden Kurs. Am Ende durften sogar Fragen gestellt werden. Da habe ich mich zum ersten Mal ernsthaft gefragt: Ist das wirklich nachhaltig und kannst Du das wirklich besser? Wenn Du es ernsthaft in Erwägung ziehst, wie würdest Du es anfangen und hast Du dazu auch das richtige Rüstzeug?
Ich habe ein paar Ideen aufgeschrieben und bin damit zu meinem Vater ins Pflegeheim gestiefelt. Zu diesem Zeitpunkt ging es tatsächlich nur um den EU AI Act. Ich erklärte ihm, was ich vorhatte, wie ich mir das Ganze vorstellte und was daraus vielleicht einmal werden könnte.
Mein Vater hörte sich das alles geduldig an und verkündete anschließend: „Na, da bin ich mal gespannt. Verstanden habe ich aber nichts von dem, was Du da machen willst.“
Treffer.
Mein Vater war damals 88 Jahre alt, und dieser eine Satz wurde für mich zu einem ziemlich guten Maßstab. Wenn ich etwas über ein kompliziertes Thema erzähle und mein Gegenüber hinterher nicht verstanden hat, worum es eigentlich geht, kann ich natürlich sagen: Das Thema ist eben kompliziert.
Ich kann mich aber auch fragen, ob vielleicht meine Erklärung das Problem ist.
Also wurde mein Anspruch, es so aufzusetzen, dass mein 88-jähriger Vater es auch versteht. Nicht jede Einzelheit, nicht jeden Artikel und jeden Absatz. Aber er sollte verstehen, worum es geht und was das Ganze mit dem eigenen Alltag zu tun hat.
Am Ende wusste mein Vater, worum es beim EU AI Act geht.
Und aus einem geplanten Kurs wurde langsam etwas sehr viel Größeres. Denn je länger ich mich damit beschäftigte, desto häufiger stellte ich fest, dass das eine Thema mit dem nächsten zusammenhängt. KI hat viel mit Datenschutz zu tun, im Arbeitsalltag tauchen Fragen zur Arbeitssicherheit auf und Brandschutz ist sowieso für praktisch jedes Unternehmen ein Thema.
Irgendwann war klar: Es wird eine Lernplattform mit den handelsüblichen Pflichtunterweisungen – aber eben auf meine Art.
Aus diesem Anspruch wurde nach und nach immer mehr von dem, was ich bieten wollte, weil ich es selber so gerne gehabt hätte.
Und damit kam die nächste Frage:
Wie muss eine Lernplattform eigentlich aussehen, damit man einen Kurs nicht nur absitzt, sondern hinterher tatsächlich etwas davon hat?
