Also habe ich mich selbstständig gemacht, damit ich mir meine Zeit einteilen kann, wie ich es möchte.
Das ist aber ein Trugschluss, den ich hier ganz bewusst benenne. Man tauscht immer noch Zeit gegen Geld. Zeit, die man nicht planbar zur Verfügung hat. Da stimmt der Spruch mit dem „alles selbst und ständig“ leider viel mehr. Auch ein Kunde erwartet, dass man zur Verfügung steht, wenn er es benötigt.
Das Resultat war irgendwann, dass ich keine Aufträge mehr angenommen und von meinen Rücklagen gelebt habe. Die hat auch nicht jeder und kann es so machen. Ich konnte es und habe mich um meinen Vater gekümmert.
Um einen sehr guten Vater, der für mich alles und noch ein wenig mehr ermöglicht hat und der das verdient hatte. Er hat es nie verlangt, er hat sich jedes Mal bedankt und gesagt: „Kümmere Dich um Dich“ – und es auch so gemeint.
Aber Liebe in der Familie kann niemals eine Einbahnstraße sein. Für mich war es alternativlos.
Es hat sehr viel mit Würde im Alter zu tun, und als er im Sterbezimmer im Krankenhaus lag (das nennen wir hier nicht so, das klingt ja schrecklich), habe ich die Scheiben, durch die man nicht mehr durchsehen konnte, geputzt, damit er hinaussehen konnte („Das durften Sie aber nicht!“ – meine Frage, ob sie es denn gemacht hätten, blieb unbeantwortet).
Rücklagen werden allerdings irgendwann geringer, und ich wollte auch nicht in eine prekäre Situation kommen. Also musste ich mir überlegen, wie ich meinen Lebensunterhalt künftig bestreiten wollte.
Nur eines wusste ich inzwischen ziemlich genau:
Ich wollte nicht mehr ausschließlich Zeit gegen Geld tauschen.
Also fing ich an zu suchen.
Und dabei stellte sich ziemlich schnell eine Frage, mit der ich zunächst überhaupt nicht gerechnet hatte:
Was für eine Unternehmerin möchte ich eigentlich sein?
